Sie dürfen gar nicht wissen,
dass es diese Geräte gibt !
Eigenlob stinkt. Aber trotzdem halte ich die Philatelisten auf dem Gebiet
der Automaten-Briefmarken und Schalterfreistempel für aufgeschlossener als
die Sammler, welche nur die neuen Bildchen aus Bern in ihre Alben stecken.
Die heutigen Massenauflagen der bedruckten Papierchen aus dem Markenbogen
verunmöglichen in den allermeisten Fällen jede noch so kleine
Wertsteigerung. Besonders freut sich die Schweizerische Post über die Käufer
gestempelter Briefmarken oder noch besser Viererblocks. Diese Stücke können
nicht einmal mehr zum Nennwert für Postdienstleistungen verwendet werden, da
sie bereits vor dem Kauf im wahrsten Sinne des Wortes entwertet wurden.
Warum bin ich so wütend ? Seit Januar 2005 werden die Drucker der
Schalterterminals SCHAPO landesweit erneuert. Zusätzlich werden auch weitere
Poststellen mit diesen neuen Druckern ausgerüstet. Ich war darüber seit
Monaten informiert, auch über den Versuch im Sommer 2004. Im Juli 2004 hat
man mir mitgeteilt, dass die Geräte zurzeit "evaluiert" werden und der
"Pilot" ab November 2004 stattfinden werde. Der Ersttag werde dann
angekündigt. Nein, vor November 2004 passiere nichts. Dies war gelogen bzw.
nicht ganz der vollständigen Wahrheit entsprechend. Am 31. Juli 2004 hat
mich ein aufmerksamer Kunde angerufen, dass er einen Brief mit neuartigem
Druck von der Poststelle Chur 2 gesehen habe. Wir sind sehr froh und
dankbar, dass wir Kunden haben, die uns bei auffälligen Neuigkeiten anrufen.
DANKE an dieser Stelle. Der aufmerksame Kunde erhält als Gegenleistung für
seine Information von uns sehr schöne Stücke für seine Sammlung geschenkt !
Unter Geheimstufe 1 nahm die Post im Sommer 2004 in 15 Poststellen
versuchsweise neue SCHAPO-Schalterdrucker in Betrieb. Solche Versuche ohne
Ankündigung hat es immer gegeben und sind ja auch eine Quelle spannender und
seltener Belege für die Sammlung. Neu ist aber, dass die Post die Abgabe von
Schalterfreistempeln aus den neuen Druckern an Sammler strikt verboten hat.
Die Geräte stehen am öffentlichen Postschalter und sind normal in Betrieb.
Es werden damit die Sendungen von Postkunden frankiert. Briefe von
Philatelisten durften aber gemäss Post nicht frankiert werden. Die sollen
wohl gefälligst zu Hause warten, bis der Briefträger die neusten Bildchen
für ihre ach so wertvolle Sammlung bringt. Wir, von der Schweizerischen
Post, entscheiden, was ihr sammeln sollt.
Wie will die Post am Postschalter den normalen Postkunden von einem
Philatelisten unterscheiden ? Freundlich, fröhlich, geschärfter Blick ? Aha,
ein Philatelist! Nein, diesen Brief können Sie hier nicht aufgeben, Sie sind
ein Philatelist oder ein Sammler. Ich sehe Ihnen das an. Machen Sie bitte
Platz für den Postkunden. Es warten so viele in der überfüllten
Schalterhalle. Sie als Philatelist stören hier nur.
Ich sehe mich als sehr guten Postkunden, welcher der Post seit über 20
Jahren Jahr für Jahr sehr viel Geld bringt. Meistens ohne Dank und oft ohne
grosse Gegenleistung, da die Belege nicht befördert werden. Also gut
verdientes Geld für die Post, könnte man meinen. Es gibt
Ausnahmepoststellen, die seit Jahren sehr kundenfreundlich sind, sich
jeweils bedanken und unsere Anwesenheit richtigerweise als zusätzlichen
Umsatz sehen. Aber oft sieht man uns als Störfaktor. "Das Gerät ist für die
Postkunden da! Haben Sie hier alle Marken herausgelassen und die Kasse
gefüllt ? Bitte lassen Sie die Postkunden ans Gerät!" usw. sind nur ein paar
Episoden, die uns in den vielen Jahren schon passiert sind. Vor ein paar
Jahren wollte zB. der Posthalter von Meilen zusätzlich zum bezahlten Porto
tatsächlich einen Stundenlohn von 80 Franken, als wir am dortigen
Schalterterminal Briefe frankieren wollten. Er wurde dann von Bern ziemlich
schnell zurückgepfiffen.
Zurück zu den neuen Druckern: Am Montag, 2. August 2004, waren wir in Chur 2
und wollten dort Briefe mit dem neuen Gerät frankieren. Ein paar Dialoge aus
Gesprächen mit Postangestellten in Chur 2 und in Bern: "Es ist geheim, an
welchen Schaltern die neuen Drucker stehen", nach 10 Sekunden und Entdeckung
am Schalter F "Briefe von Sammlern dürfen wir nicht frankieren, nur von
Postkunden", weitere Muster aus der Berner Zentrale "Sie dürfen gar nicht
wissen, dass es diese neuen Geräte gibt", "Die Geräte sind in Evaluation.
Mit Geräten in Evaluation dürfen wir keine Umsätze machen. Nein, die
öffentliche Verwendung am Schalter ist kein Umsatz. Aber Sie dürfen keine
solchen Freistempel erhalten, dann ist es Umsatz". "Im November 2004 ist der
Ersttag dieser neuen Drucker, der wird dann öffentlich angekündigt, das ist
dann der Ersttag für die Sammler."
Mir persönlich ist es absolut egal, ob diese neuen Drucker zurzeit im
Versuch, zur Probe, evaluiert, oxidiert oder explodiert sind. Die Geräte
sind im öffentlichen Betrieb, werden am normalen Postschalter verwendet und
sind damit auch allen Postkunden und Philatelisten öffentlich zugänglich.
Alles andere ist eine absolute Ungerechtigkeit. Dass die Post uns
weiterdenkenden Philatelisten vorschreiben will, was wir wann (ab November
sind wir dann gut genug) sammeln sollen, ist ebenfalls ein starkes Stück.
Wir haben selbstverständlich Belege dieser neuen Drucker. Der "Ersttag"
wurde von der Post übrigens nie angekündigt. Wie sollte dies auch möglich
sein, wenn die Geräte bereits im Sommer 2004 öffentlich im Einsatz waren.
Unter anderem für Postkunden wie wir es sind.
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