Der Kniefall von MICHEL
Mit sofortiger Wirkung werden die Freimarken von Norwegen und Spanien mit
der Abbildung der Automatenmarke aus der Hauptnumerierung genommen und im
Anhang der Automatenmarken katalogisiert; so eine Entscheidung der
MICHEL-Redaktion. Ich habe diesen Fehler NICHT mitgetragen, sondern mich
dagegen gewehrt. Leider hat man auf andere einflussreiche Stimmen gehört.
Manchmal fühle ich mich in die Zeit so um 1982 zurückversetzt, als
bedeutende Organisationen wie ASCAT und IFSDA die Automatenmarken am
liebsten ganz aus den Katalogen verbannen wollten. Was für Argumente habe
ich in diesen Anfangsjahren der Automatenmarken anhören müssen:
Automatenmarken sind keine Briefmarken, denn die werden uns nicht
automatisch geliefert ...!
Die Freimarken von Norwegen und Spanien mit dem Aussehen der Automatenmarken
aus der MICHEL-Hauptnumerierung zu streichen, ist aus meiner Sicht absolut
falsch!
Es handelt sich bei diesen Ausgaben von Norwegen und Spanien wie bei den
anderen (zu)vielen Bildchen dieser Postverwaltungen um normale Freimarken
ohne wenn und aber. Das gesamte Bild mit dem Wertaufdruck wurde wie bei
allen Briefmarken zusammen gedruckt. Wo soll der Unterschied zwischen diesen
Freimarken und den anderen Bildchen sein ? Diese Freimarken sind also ganz
genau richtig als normale Briefmarken katalogisiert.
Mir ist natürlich schon klar, warum diese Marken aus der normalen
Briefmarken-Numerierung verschwinden sollen. Bildchen-Agenturen wie Roll und
Vordruckalben-Hersteller wie Leuchtturm und Lindner setzten MICHEL unter
Druck, diese Freimarken möglichst nach hinten und ganz zu verbannen. Und die
bisher unabhängige MICHEL-Redaktion ist vor diesen Mächtigen in die Knie
gegangen.
Die Bildchen-Agenturen setzten MICHEL unter Druck, weil es bereits ohne
diese Ausgaben genügend bis zuviele Neuheiten-Bildchen gibt. Sind diese
Ausgaben für die Agenturen schwerer beschaffbar ? Weil sie nicht wie die
anderen vielen Bildchen fast automatisch zum Fenster herein fliegen, sondern
zusätzliche Arbeit verursachen ?
Die Albenhersteller setzten MICHEL unter Druck, weil die Vordruckalben
bereits heute vor Neuheiten fast platzen. Auch hier dominiert vermutlich das
Argument, diese Ausgaben sind schwer beschaffbar, Lücken drohen im
Bilderalbum und es gibt bereits genügend Neuheiten.
Was kann die MICHEL-Redaktion dafür ? Die Neuheitenflut ist sicher
ärgerlich, aber ebenso sicher kein Argument für eine Streichung. Diese
Ausgaben erfüllen alle Bedingungen für eine Freimarke. Daher müssen diese
Briefmarken dort bleiben, wo sie sind, nämlich fortlaufend katalogisiert als
normale Freimarken innerhalb der MICHEL-Hauptnumerierung.
Es kann doch nicht sein, dass sich die MICHEL-Redaktion erweichen lässt,
diese (zudem bereits katalogisierten) Freimarken zu streichen.
Es darf keinen Kniefall von MICHEL vor den Agenturen und Albenhersteller geben,
sonst verliert MICHEL seine so wertvolle Unabhängigkeit.
Markus Seitz
Autor des MICHEL-Automatenmarken-Spezialkataloges
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