Schweiz: Rückschritt in die Steinzeit
Billig, billig, billig. Dies ist der geeignete Ausdruck für die neuen ATM der
Schweiz. Ich sage es ganz offen: Die neuen ATM gefallen mir nicht, überhaupt nicht. Vier
Marken, die unten rechts viel zu klein jeweils ein Transportmittel zeigen, das man fast
nicht erkennt, dafür ein überdimensionaler Buchstabe aus POST, den man auch nicht ohne
weiteres einordnen kann. Was denkt wohl der Kunde, was das O, S oder T auf seiner soeben
gezogenen Einzelmarke zu bedeuten hat ? Was für wunderschöne und auch bei den
Motivsammlern gefragte Marken hätte man doch mit den beliebten Motiven Flugzeug,
Eisenbahn, Auto und Lastwagen herausgeben können. Die Schweizerische Post hätte sich ein
Beispiel an Finnland mit ihren Postauto-ATM nehmen sollen, dies sind schöne Motivmarken,
wie sie die Sammler wünschen. Hier wurde eine grosse Chance verpasst !
Zusätzlich wurden die neuen ATM im absolut falschen Druckverfahren gedruckt. Aus mir
unverständlichen Gründen wurde der veraltete Buchdruck verwendet. Er wird neu als
Flexodruck bezeichnet, die gravierenden Einschränkungen des Buchdrucks sind aber
geblieben. Nicht ohne Grund hat die Schweiz das letzte Mal 1934 !!! Briefmarken im
Buchdruck hergestellt, die aber einfarbig waren. Nur zwei Ausnahmen gab es bisher: Die
1999 verausgabten Selbstklebemarken "Comics" in Markenheftchen wurden ebenfalls
im Buchdruckverfahren hergestellt. Allerdings waren auch hier die Zeichnungen einfarbig
und es gab keine ineinanderlaufenden Farben oder Flächen. Ebenfalls im Buchdruck
entstanden ist das Markenheftchen "Für besondere Gelegenheiten" von 1996, auf
dem unscharfe Teppichmuster abgebildet sind. Dieses Druckverfahren eignet sich für ein-
bis höchstens zweifarbige Produktionen im Grossformat. Bei mehrfarbigen Briefmarken ist
der Einsatz völlig deplaziert. Der Flexodruck wird besonders oft bei Verpackungen
eingesetzt. Schauen Sie mal ins Internet und suchen Sie nach dem Stichwort
"Flexodruck":
- bewährt im Verpackungsbereich und in der Tapetenproduktion
- Der Druck mehrfarbiger Bilder ist hiermit jedoch nicht möglich !!!
- Passerverschiebungen bis 0,5 mm normal
- günstig, aber keine scharfe und dichte Druckqualität
- Farben sind im Vergleich zum Offsetdruck eher blass
- geeignet für ein- bzw. höchstens zweifarbige Firmenlogos
- Konturen von Schrift und Bild weisen nicht die gleiche Schärfe auf
- Intensive Buntfarben sind nur in beschränktem Rahmen möglich
Der Flexodruck ist also für die Herstellung von kleinformatigen und mehrfarbigen
Briefmarken völlig ungeeignet. Das mussten die Verantwortlichen bei der Post doch gewusst
haben. Von allen Seiten wird betont, dass es sich um ein kostengünstiges Druckverfahren
handelt. Dies wird auch der Hauptgrund für die Schweizerische Post gewesen sein, nach
über 65 Jahren wieder einmal den Buchdruck bei mehrfarbigen Briefmarken auszuprobieren.
Bei den Automatenmarken kann man es ja riskieren. Sammelt ja doch fast keiner, wird man
sich gedacht haben. Hauptsache billig, billig, billig. Da konnte echt viel Geld gespart
werden, Freude herrscht. Die anderen, mehrfarbigen Briefmarken werden selbstverständlich
weiterhin im Offset- bzw. Tiefdruckverfahren hergestellt; bei den ATM sind aus Sicht der
Post offenbar etwas Unschärfe, verschobene Farben und tropfende Silbermarkierungen nicht
so schlimm. Hauptsache billig, billig, billig.
Die neuen ATM "Zeitgenössische Kunst" sind m.E. scheusslicher als die einfachen
ATM Umrisse der Schweiz, die wenigstens noch etwas aussagen. Ein Rückschritt in die
Steinzeit. Zu hoffen bleibt, dass diese "Marken" möglichst bald wieder aus den
Automaten verschwinden und schönen Motiven Platz machen. Wir werden uns alle noch lange
an die vielleicht schönsten ATM, den jetzt auslaufenden ATM Jahreszeiten mit den vier
Landschaften erinnern. Mein Gott, was für ein Unterschied; wie Tag und Nacht.
Hervorragend gestaltet von Hermann Schelbert, hervorragend gedruckt bei Courvoisier, der
besten Briefmarkendruckerei der Welt, gefallen diese vier Marken den Sammlern heute noch
wie am ersten Tag, über fünf Jahre nach der Ausgabe. Die neuen
"zeitgenössischen" ATM (vielleicht spiegeln sie ja treffend genau die heutige
Zeit und das heutige Denken wieder !) gefallen mir bereits vor dem Ersttag nicht mehr.
Courvoisier gibt es nicht mehr, die Postfirmen wollen ja günstig drucken,
Qualitätseinbussen und verärgerte Sammler inklusive, Hauptsache billig, billig, billig.
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