Schweiz: Grüne ATM "Umrisse der Schweiz" am 2.11.93

Briefmarken aus Automaten sind auch in der Schweiz auf dem Vormarsch. Bereits sind über 2000 moderne Markendrucker in Betrieb. Am 2. November 1993 erscheint die neue Ausgabe "Umrisse der Schweiz", da das aktuelle Papier mit den gelben PTT-Logos demnächst aufgebraucht sein wird. Die Versandstelle in Bern macht mit und verkauft den 3-Werte-Standardsatz postfrisch, gestempelt und auf einem amtlichen FDC.

Im November 1990 wurde in der Schweiz das gelbe Papier mit den winzig kleinen Postemblemen eingeführt. Damals war diese Änderung eine richtige Wohltat nach über 14 Jahren (von 1976 - 1990) blauem Rosetten-Papier. In diesen langen Jahren war es bei den unbeliebten ATM üblich,den Sicherheitsunterdruck zu belassen und nur das postalisch absolut Notwendige zu ändern. So verschwanden 1981 die rückseitigen Fasern, da dieses faserige Papier nicht mehr kostengünstig lieferbar war. 1984 gab es einen völlig neuen, geätzten Druckzylinder; es wurde aber wieder das gleiche Muster wie vorher aufgetragen ! Im Jahre 1987 wurde die Leuchtstoff- Abtastung in den Postzentren von Phosphoreszenz auf Fluoreszenz umgestellt. Bei den ATM hat man einfach die alten Papierrollen (phosphoreszierend) mit dem neuen, flächendeckend leuchtenden Fluoreszenz-Leuchtstoff überzogen. An ein neues Markenbild hat man in dieser Zeit nie gedacht. Hier hat sich bei den Postverantwortlichen ein entscheidender Wandel vollzogen. Rechtzeitig auf die gelbe ATM von 1990 wurden die Tickets, wie sie von Postseite genannt wurden, zu Automaten-Marken. Diese neuen ATM wurden dann im November 1990 auch erstmals vom Philatelie-Service in Bern ausgeliefert.

Im Mai 1993 brachte eine grosse Schweizer Tageszeitung die überraschende Meldung, dass "die PTT raten, ab drei Brieffrankaturen mit Automatenmarken das Schwämmchen zu benutzen." Grund: Das amtliche Kantonslabor der Stadt Solothurn hat herausgefunden, dass die gelben ATM mit einer sogenannten Tropengummierung (!) versehen sind, die einen übelriechenden Alkohol enthält. Es ist bekannt, dass diese Gummierung scheusslich schmeckt. Was allerdings ein Tropengummi im Alpenland zu suchen hat, bleibt schleierhaft.

Die PTT versprachen Besserung. Die Briefmarken aus Automaten sollen laut einem PTT-Sprecher "ebenso neutral schmecken wie die am Schalter käuflichen". Zeitlich passte die Tatsache,dass sich der Papiervorrat im Zentrallager bei Bern zu Ende neigte. Die PTT-Betriebe nahmen dies zum Anlass, um gleichzeitig mit dem neuen Gummi ein anderes Papier mit einem neu gestalteten Sicherheitsunterdruck zu verwenden. In früheren Zeiten hätte man garantiert nur die Gummierung geändert und das Markenbild belassen. Die Zeiten haben sich geändert und die ATM, in der Schweiz jetzt millionenfach verwendet, werden von allen Seiten als vollwertige Briefmarken akzeptiert.

Die neuen ATM zeigen mehrfach die Umrisse der Schweiz. Auf jeder ATM ist die Schweiz etwa 15 x komplett abgebildet. Jede Landkarte ist ca. 5 x 8 mm gross. Der neue Unterdruck wird bei der weltberühmten Briefmarkendruckerei Courvoisier in La Chaux-de-Fonds (Schweizer Jura) gedruckt. Als willkommene Abwechslung werden die neuen ATM in grüner Farbe gedruckt. Das neue Objekt wird viel grösser abgebildet als die alten PTT-Logos, die auf jeder ATM etwa 80 x erschienen und kaum mehr zu erkennen waren. Aus Sicherheitsgründen wird jede zweite Landkarte kopfstehend abgedruckt, so dass das ATM- Papier kopfstehend exakt gleich aussieht. Die Postverwaltung will mit diesem Schritt verhindern, dass durch das seitenverkehrte Einlegen der Papierrolle Raritäten entstehen.

Der Ersttag für die neue ATM wird am 2. November 1993 sein. Nach den betrüblichen Vorkommnissen mit den ATM mit schmalen Zahlen am letzten Ersttag 1990, die am Ersttag bei keinem Automaten legal erhältlich waren und trotzdem mit Ersttagsstempel Bern herumgeistern, wurde die Anzahl der Ersttags-Automaten von 30 auf noch minimale 11 Postämter reduziert. Es werden besondere Vorkehrungen getroffen, die eine neuerliche Abzweigung von Papierrollen am Ersttag verhindern sollen. Bei den 11 ausgewählten Poststellen handelt es sich um die 11 Hauptpostämter der 11 Schweizer Postkreise mit ihren Kreispostdirektionen; zu vergleichen mit den Oberpostdirektionen. Bei allen anderen Automaten wird das grüne Papier erst nach dem Aufbrauchen des alten Papiers verwendet. Diese massive Beschränkung am Ersttag ist betrüblich, sammlerfeindlich und wahrscheinlich gar nicht nötig, da es nach meinen Informationen am 2. November 1993 landesweit keinen ATM-Drucker mit schmalen Zahlen mehr gibt. Alle alten Automaten mit diesen schmalen Zahlen aus früheren Zeiten wurden in den letzten Jahren durch die neue Generation mit der schnellen und modernen Zehnertastatur ersetzt.

Die neuen Automatenmarken können am 2. November 1993 nur bei diesen elf FRAMA- Automaten vor Ort herausgelassen werden. Der Philatelie-Service PTT, CH-3030 Bern, liefert einen Standardsatz, der die drei Wertstufen 60 (B-Post Inland), 80 (A-Post Inland und B-Post Europa) und 100 Rp. (A-Post Europa) umfasst. Dieser Satz wird postfrisch, gestempelt und auf einem amtlichen Ersttagsumschlag (illustriert) verkauft. Einzelbestellungen nach Deutschland werden im Normalfall per Nachnahme ausgeliefert.

Die Post weist mit Nachdruck darauf hin, dass diese neuen ATM im Abonnement nicht inbegriffen sind ! Noch ist es also nicht soweit, dass ATM-Neuheiten wie alle Bogen-Neuheiten dem Sammler im Abo geliefert werden. Noch gibt es bei den ATM kein amtliches Sammelblatt und kein Faltblatt, wie es bei den Bogenmarken seit Jahrzehnten üblich ist. Warum eigentlich nicht ? Die ATM sind ganz normale Dauermarken und sollten auch so behandelt werden. Eine neue Gelegenheit ergibt sich nach gut unterrichteten PTT-Kreisen vielleicht schon wieder 1995/1996. Wie ich erfahren habe, denkt man in Bern an einen stetigen Wechsel des Motivs alle 2 - 3 Jahre, "damit die Postkunden bei den Automatenmarken etwas Abwechslung haben". Wie sich doch die Zeiten ändern.

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