Frankreich: Der "freie" Frankierungsdienst

Unter dieser Bezeichnung ("Libre Service Affranchissement") laufen in unserem Nachbarland Frankreich seit fast zehn Jahren ein paar Riesendinger der Firma Crouzet. Gleich zweimal hat jetzt die Postverwaltung ein LSA-Gerät wieder an Orten eingesetzt, wo der Zugang für das Publikum alles andere als frei war, zuerst durfte die nationale Ratsversammlung (Assemblée Nationale) von 5.-7. Dezember 1989 und dann auch noch der Senat (12. -14.12.1989) ein Gerät bestaunen, das schon seit Jahren in Postämtern herumsteht. Es ging bei diesen internen Vorführungen, die ausschliesslich Abgeordneten der französischen Regierung vorbehalten war, darum, den Politikern die LSA-Geräte schmackhaft zu machen und endlich die Aufstellung von ATM-Druckern im ganzen Land zu ermöglichen. Dazu später. Die aufgestellten Geräte gaben natürlich ATM-ähnliche Vignetten ab, die jeweils einen speziellen Hinweis auf den Ort der Veranstaltung trugen. Wie man sagt, hätten manche Politiker in diesen Tagen reichlich Vignetten gezogen. Etwa, um sich von der Robustheit des LSA zu überzeugen ?

Nur schade (für diese Politiker), dass es sich bei den herausgegeben Vignetten vermutlich nicht um ATM handelt. Die Postverwaltung, aber auch französische Fachzeitschriften haben bereits bekräftigt, dass es sich bei diesen Vignetten nicht um ATM, sondern um Vorführdrucke, handelt. Es habe sich ganz klar um eine interne Vorführung der Geräte für die Politiker gehandelt. In der Februar-Ausgabe der Fachzeitschrift "Le Monde des Philatélistes" steht u.a.: "...es handelte sich um eine Demonstration des Materials für Politiker...", "...um eine private Vorführung, zu der die Öffentlichkeit keinen Zugang hatte, da die Maschinen im Regierungsgebäude aufgestellt wurden, das für die Politiker der beiden Versammlungen reserviert ist ...".

Neue Briefmarken sind frei normalerweise frei erhältlich. Sie können von jedermann am Postschalter oder bei der Versandstelle gekauft werden. Auch Automatenmarken kann jeder Postkunde und jeder Sammler ohne weiteres herauslassen, wenn der Automat öffentlich und für jedermann zugänglich ist. Stellt aber die französische Post ihre Automaten im Senat, in der Ratsversammlung, beim abgeschirmten Weltwirtschaftsgipfel oder bei den Sozialisten in Bourg-en-Bresse auf, können nur noch bestimmte Personengruppen zum Gerät. Hier muss auch auf der Seite der Kataloge die Notbremse gezogen werden, da sonst das hochinteressante Sammelgebiet ATM Frankreich kaputtgeht. Es sollten nur Ausgaben katalogisiert werden, die für das Publikum öffentlich zugänglich sind. Wie aus Paris zu hören ist, sind auch für dieses Jahr solche geschlossenen Veranstaltungen geplant, die nur für Techniker, Politiker oder Postangestellte zugänglich sind.

Auch die Auflagen der letzten zwei Einsätze sind bekannt: Etwa 160 Sätze "Senat" und 80 Sätze "Assemblée Nationale" soll es geben. Die gesalzenen Preise für diese gemachten Raritäten können Sie sich bei dieser Mini-"Auflage" vorstellen. In Paris werden die Vignetten bereits mit 150-200 DM pro Stück (!) gehandelt.

Nach der für die Politiker ertragreichen Vorführung handelten diese dann auch: In den nächsten vier Jahren sollen in ganz Frankreich 1000-2000 ATM-Drucker der Firma Crouzet installiert werden. Dies in einem Programm, das insgesamt 10'000 Selbstbedienungsgeräte umfasst. Neben Automaten für Markenheftchen, Verpackungen und Banknoten werden nun auch endlich MWZD landesweit in Betrieb genommen. In der zweiten Hälfte dieses Jahres soll es soweit sein. Es kommt aber noch besser: die neuen ATM werden nicht mehr numeriert sein und sollen in ganz Frankreich gleich aussehen. Man wolle (wörtlich) "Zustände wie in Deutschland und in der Schweiz haben", teilte die Postverwaltung auf Anfrage mit. Hoffen wir, dass die Neuigkeit stimmt und dass wenigstens diese ATM frei erhältlich sein werden.

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