Schweiz: ATM-Bezahlung mit Kreditkarten
Einen Riesensprung in die Zukunft ist der Firma FRAMA und der Schweizer Postverwaltung
gelungen: Zum ersten Mal auf der ganzen Welt ist es nun möglich, ATM ohne eine lange
Suche nach passenden Münzen ganz einfach und bequem mit der Taxcard (Telefonkarte) zu
bekommen. Seit Jahren ist es in der Schweiz wie in vielen anderen Ländern möglich, am
Postschalter eine Taxcard (Preis: Fr. 20.--) zu kaufen und dann diese bei jeder mit einem
Kartenleser ausgestattete Telefonkabine zu gebrauchen. Die lästige Münzensuche gehörte
der Vergangenheit an. Mit über 6000 öffentlichen Telefonzellen sind bereits mehr als die
Hälfte aller Kabinen mit einem solchen Kartenleser ausgerüstet. Taxcards gibt es bei
allen Poststellen, an Kiosken und in grossen Geschäften. Bisher konnte aber der Postkunde
mit ihr nur telefonieren.
Bis zur Einführung dieses revolutionären Systems für Markenautomaten mussten die
Techniker der beteiligten Parteien verschiedene Probleme lösen. So kann der zuständige
Postbeamte jetzt am Gerät neu den Gesamtumsatz, aber auch den Umsatz getrennt nach
Taxcard und Münzen abrufen. Bei dem Kartenleser handelt es sich um ein Zusatzgerät, das
ober- oder unterhalb des eigentlichen WZA angebaut wird. Neben dem Schlitz für die Karte
befindet sich auf der rechten Seite ein schwarzer Knopf, mit dem die eingeschobene Karte
jederzeit wieder ausgelöst werden kann. Nach dem Einschieben der Taxcard erscheint nach
wenigen Sekunden das aktuelle Guthaben, das dem Kunden noch zur Verfügung steht, in der
Anzeige des Automaten. Danach kann man wie gewohnt seine gewünschten Markenwerte wählen.
Während die ausgewählten ATM in die Ausgabeschale fallen, bucht der Kartenleser
fortlaufend die aufgebrauchten Einheiten zu 10 Rp. auf der Karte ab. Daher kann es bei
einem höheren Einzelwert einige Sekunden dauern, bis die Einheiten auf der Taxcard
gelöscht werden und der Druck der ATM ausgelöst wird. Ebenso ist zu beobachten, dass die
kleinsten ATM zu 5 Rp. immer im Zweier-Rhythmus ausgedruckt werden, da immer nach einem
Verbrauch von 10 Rp. diese Einheit auf der Karte storniert wird. Für Grosskunden und
Händler ist daher der Bezug per Karte zurzeit nur eine Notlösung, da der Ausdruck der
ATM doch erheblich länger dauert. Der aktuelle Restbetrag kann jederzeit durch Drücken
der Taste * abgefragt werden.
Eigentlich war die Inbetriebnahme des ersten Automaten dieser Art schon viel früher
vorgesehen, aber ein Problem konnte erst nach monatelanger Tüftelei gelöst werden. Der
FRAMA-WZA gibt ATM in 5 Rp.-Stufen aus, die Taxcard ist aber mit Einheiten zu 10 Rp.
ausgestattet. Wie sollte da der Betrag auf der Karte abgebucht werden, falls z.B. ein
Kunde nur eine Marke zu 5 Rp. benötigte ? Der neu entwickelte Kartenleser für die
ATM-Drucker wurde nun so programmiert, dass bei einem Kundenguthaben von 5 Rp. bei der
Rückgabe der Karte noch automatisch eine zusätzliche ATM zu 5 Rp. ausgespuckt wird. Sie
können daher mit der Karte nicht eine einzelne ATM zu 5, 35 oder 85 Rappen herauslassen.
Zusätzlich erhalten Sie dann am Schluss vom Automaten eine weitere Marke mit dem
kleinsten Wert von 5 Rappen. So schuldet die Post dem Kunden kein Geld und auf der Karte
können in jedem Fall die genaue Anzahl Einheiten gelöscht werden. Ein erster
Betriebsversuch mit dem neuen Verfahren läuft jetzt mit zehn Automaten in den Städten
Basel, Biel und Zürich.
Im Hintergrund wird eifrig an der nächsten Generation des Kartenlesers gearbeitet.
Schon in wenigen Jahren soll es möglich sein, ATM mit den bekannten Kreditkarten der vier
grossen Kartenorganisationen zu ziehen. Einfach auf Monatsrechnung. Schon heute ist es zum
Beispiel in der britischen Hauptstadt London bei vielen öffentlichen Telefonen möglich,
mit diesen Kreditkarten zu telefonieren. Auch bei den richtigen Kreditkarten hat die
Zukunft also bei den Telefonkabinen begonnen.
Am 18. April 1989 wurde der erste WZA weltweit für Kreditkarten vor dem Postamt 8026
Zürich 26 Aussersihl in Betrieb genommen. Nur dieses Gerät funktionierte bereits an
diesem Tag. In den folgenden Tagen wurden noch neun weitere Geräte mit dem Kartenleser
ausgerüstet, so dass es zurzeit bei den folgenden zehn Automaten möglich ist, ATM mit
dem Plastikgeld zu beziehen:
Basel Hauptpostamt (Rüdengasse), Basel Hauptbahnhof Telefonamt, Basel Postamt 21
Mustermesse, Biel Hauptbahnhof Unterführung, Biel Postamt 1 beim Hauptbahnhof, Biel
Postamt 3 Neumarkt, Biel Postamt 7 Madretech, Zürich Postamt 22 Fraumünsterpost, Zürich
Hauptbahnhof Shopville, Zürich Postamt 26 Aussersihl
Falls der Betriebsversuch mit dem neuen Modell erfolgreich verläuft, möchte die Post
in der Schweiz alle wichtigen Standorte mit einem solchen Zusatzgerät ausrüsten. Falls
Sie das moderne Plastikgeld nicht bevorzugen, kommen Sie auch in Zukunft zu ihren ATM.
Vorläufig können nämlich alle umgerüsteten WZA wahlweise mit der Karte oder mit den
altbewährten Münzen benutzt werden. Es ist sogar problemlos möglich, die beiden
Varianten zu mischen und beispielsweise einen Kartenrestbetrag von 20 Rp. durch das
Einwerfen von 30 Rp. in eine 50er-ATM umzuwandeln.
Zurück zum Inhalt