Neues aus Frankreich

Seit dem 1. Januar 1988 gilt für Sendungen nach Spanien, Griechenland und nach Portugal für Briefe bis 20 Gramm der Inlandstarif. Für alle anderen Mitgliedsländer der EG gilt diese Regelung schon seit Jahren.

Seit einiger Zeit steht der FRAMA-Automat in Concarneau nicht mehr auf dem einfachen Holztisch, sondern wurde in der 24-Stunden-Zone des modernen Postamtes installiert. Dort hängt er neben einem Banknotenautomaten und einem Geldwechsler. Wie der Name schon sagt, sind diese Geräte rund um die Uhr zugänglich. Allerdings nicht für jedermann: An der Eingangstüre muss man sich mittels einer Kundenkarte oder Kreditkarte der französischen PTT identifizieren, um eingelassen zu werden. Dabei wird gespeichert, wer sich um welche Zeit im Postamt aufgehalten hat. Zu den normalen Schalteröffnungszeiten ist der WZA aber selbstverständlich ohne solche Kontrollen erreichbar.

Seit es in unserem westlichen Nachbarland ATM gibt, reiht sich eine Überraschung an die nächste. Ohne offizielle Ankündigung werden neue Automaten installiert, Standorte geändert oder altersschwache Maschinen stillgelegt. Wahrlich das ATM-Land der Überraschungen.

So kam die Postverwaltung in Paris vor ein paar Monaten auf die Idee, das drei Jahre alte Design mit den kleinen Vogel-Illustrationen durch ein neues Motiv zu ersetzen. Es wurde ein Bild mit einem "in den Himmel aufsteigenden Strahl" ausgewählt, wie es ein leitender Beamter in Paris ausdrückte. Anders kann man diese abstrakte Zeichnung wohl nicht deuten. Der neue Aufdruck erscheint wieder im selben Blauton. Der eigentliche Grund, der zu diesem Papierwechsel führte, besteht nach Auskunft der Post darin, dass man bei der neuen Ausgabe die Bezeichnung der Beförderungsart (beim LSA-ATM-Drucker) bzw. das Datum und den Herkunftsart (bei den MOG-Schaltergeräten) besser lesen kann.

Sie werden sich fragen, ob es auch dieses Jahr wieder eine winzige Portoerhöhung um ein paar Centimes gegeben hat. Zur allgemeinen Beruhigung darf ironischerweise gesagt werden, dass die französische Postverwaltung auch dieses Jahr nicht von ihrem Grundsatz abwich. Am 16. August war es soweit: Die Taxen für eilige URGENT-Pakete und für den Versand von Paketen, die für Orte im gleichen Departement bestimmt sind, wurden etwas angehoben. Alle anderen Tarife z.B. für Briefe im In- und Auslandsverkehr bleiben gleich teuer ! Die Erhöhung der beiden hohen Paket-Wertstufen haben aber trotzdem Auswirkungen auf die ATM-Sammler, da diese in der Serie zu fünf Werten zweimal vorkommen. Da das neue Papier bereits im alten Tarif bei allen sieben noch in Betrieb stehenden LSA-Geräten eingesetzt wurde und das alte, auslaufende Papier im neuen Tarif fleissig aufgebraucht wurde, gibt es jetzt fast alle möglichen Kombinationen. Die vier möglichen Varianten lauten: 1) altes Papier / alter 8. Tarif, 2) altes Papier / neuer 9. Tarif, 3) neues Papier / alter 8. Tarif, 4) neues Papier / neuer 9. Tarif. Manche dieser Möglichkeiten sind von einigen Postämtern sehr selten und existieren teilweise in Auflagen von 450-700 kompletten Serien !

Zum Hit dürfte sich wahrscheinlich die Variante 3) neues Papier / alter 8. Tarif von Miribel entwickeln, da dieses Gerät nur noch mangelhaft funktioniert. Das dortige Gerät war in der Zeitspanne Juli/August oft tagelang ausser Betrieb. Von Zeit zu Zeit wurde es aus ungeklärten Gründen im Gerät wärmer und wärmer. Danach nahm es immer weniger Münzen an und liess auch tadellose, neue Münzen durchfallen. Dieser Schaden ist bis heute noch nicht behoben, aber wahrscheinlich hängen diese Pannen mit der sommerlichen Hitze in der Nähe des Automaten in Miribel zusammen. Vielleicht bringt hier der kühlere Herbst eine Besserung.

Auf jeden Fall steht fest, dass die neuen Etiketten bereits Wochen vor dem ersten Einsatz in einem ATM-Drucker in verschiedenen MOG-Schaltergeräten in der Provinz (z.B. In Grenoble) benutzt wurden. Erste gesicherte Abstempelungen mit ATM datieren von Anfang Juli (Paris 5 Mouffetard). Wie bereits weiter oben angeführt, wurde am 16. August nach zweimaliger Verschiebung das Porto für zwei Paketarten erhöht. Bereits am 31. Juli wurde die bevorstehende, jährliche Änderung in Fernsehen und Radio angekündigt, dann aber im letzten Moment wieder abgeblasen. Am 16. August liefen nicht alle Automaten, so dass z.B. der LSA Im Postamt Paris Denfert-Rochereau (ex-147) erst einen Tag später repariert und auf die neuen Portostufen programmiert wurde.

Alles in allem ein riesiges Durcheinander ohne eine philatelistische Planung von oben. Eine amtliche Ankündigung zur neuen Ausgabe wurde bis heute nicht gefunden. Die Sammler in Frankreich haben übrigens bei der Sammlung von Serien vollauf den Satz mit 5 Werten umgestellt. Vor einigen Monaten hat die französische Post die Kategorie "Paket im gleichen Departement" in der damaligen Form abgeschafft. Neu ist es möglich, ein Paket im gleichen Departement mit garantierter Auslieferungszelt einzuliefern. Das so gesandte Paket muss innerhalb von 24 Stunden beim Empfänger ankommen, sonst muss die Post dem Kunden das gesamte Porto zurückzahlen. Mit dieser Änderung wurden alle sieben Crouzet-WZA mit einer Ausnahme umprogrammiert und der Portowert der untersten, fünften Taste an den URGENT-Wert angeglichen. Die abrufbaren Portostufen beim WZA im Pariser Postamt 13 ltalie wurden vorerst auf dem alten Stand belassen und erst mit der jetzt erfolgten Portoänderung vom 16. August neu eingestellt. Sätze mit vier Werten werden von Sammlern nur noch sehr vereinzelt gezogen.

Die Zukunft der WZA in Frankreich schwebt immer noch im Ungewissen. Es wurden bis heute weder neue Geräte bestellt, noch die Planung für eine neue WZA-Generation aufgenommen. Neue Aussagen deuten darauf hin, dass man den nun schon fast achtjährigen Versuch mit den übriggebliebenen Druckern weiterführen will, um dann in den 90er Jahren ein neues, kleineres Gerät einzusetzen. Dieses noch zu entwickelnde Gerät soll für die Postbediensteten weniger aufwendig sein und auch weniger Störungen ausweisen. Ausserdem sind die Riesendinger der heutigen Generation mit einem Einzelpreis von ca. 80'000 DM (!) für die Post zu teuer. Aber wie es momentan aussieht, wird es vom jetzigen Crouzet-Automaten keine weiteren Exemplare geben und auch dieses Gerät wird eines Tages endgültig verschwinden. Auf das Ende der Crouzet-WZA lässt auch die nicht zu unterschätzende Tatsache schliessen, dass es für Reparaturen keinerlei Ersatzteile mehr gibt. Deren Produktion wurde bereits vor einiger Zeit eingestellt. Als Resultat verschwinden mit der Zeit immer mehr Standorte, da man einen ruinierten Drucker ohne ein neues Ersatzdruckwerk schlecht instandsetzen kann. Bereits jetzt wurde ja bekanntlich der Versuch in Lyon RP, Lyon-Brotteaux und in Villefranche-sur-Saone endgültig beendet, wie mir mitgeteilt wurde. Somit gibt es in Frankreich mit der Zeit immer weniger ATM-Standorte, obwohl eigentlich das Gegenteil der Fall sein müsste.

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