Die Zukunftspostämter in Frankreich
In Frankreich gibt es zur Zeit ca. 14'000 Postämter und Postagenturen, welche in
den kleinen Orten der Provinz für den Postbetrieb verantwortlich sind. Vor allem die
Ämter in den Hauptorten und grösseren Städten der einzelnen Departements wurden in den
letzten Jahren modernisiert und z.B. mit den bekannten Frankiermaschinen und
Schalteranlagen wie GAPA (Guichet automatique) und MOG (Micro ordinateur du guichet)
ausgerüstet. So stehen bereits heute Tausende dieser elektronischen Maschinen in den
grossen Postämtern Frankreichs. Es wurden aber auch neue Dienstleistungen wie Minitel
(der französische Bildschirmtext) mit dem elektronischen Telefonbuch in den Postämtern
installiert. Mehrere tausend der 14'000 Poststellen sollen in den nächsten Jahren
aber komplett renoviert und gleichzeitig modernisiert werden. Zu diesem Zweck hat die
französische Postverwaltung bereits 1982 eine Studie in Auftrag gegeben, wie die
Postämter Frankreichs im Jahre 2000 und später generell aussehen sollten. Das Ergebnis
dieser Studie war, dass in der Provinz 9 "Bureaux de poste de future"
(Zukunftspostämter) gebaut werden sollen. Der Überbegriff wurde später in "Les
bureaux pilotes" (Die Pilot-Postämter) umbenannt.
1. Mézidon-Canon (eröffnet am 1.10.84) Der Ort Mézidon-Canon liegt im Departement
Calvados nordwestlich von Paris und hat ca. 8000 Einwohner. Das Pilot-Postamt wurde im
neuen Stadtzentrum von Mézidon errichtet. Wie alle diese neuen Poststellen wurde es sehr
modern erbaut. In der Schalterhalle sind zwei Minitels, ein Banknotenautomat und ein
Telefonautomat mit Kreditkartenbetrieb installiert. An beiden Schaltern gibt es je eine
MOB-Frankiermaschine (Micro ordinateur banalisé). Dazu gibt es ein Faxgerät zum
Übermitteln von Bildern, Briefen und Dokumenten via Telefon.
2. Miribel (eröffnet am 25.2.1985) Dieses Zukunftspostamt ist sicher allen ATM-Sammlern
bestens bekannt. Der grosse Crouzet-LSA ist dann auch hier das bekannte
"Wahrzeichen" des Postamtes. Er steht sogar in einem eigenen Raum, der für die
Postkunden länger geöffnet ist als die Schalterhalle selbst. Die LSA-ATM-Geräte sind in
Frankreich alle innerhalb der Postämter installiert, da die Portowaage der Geräte sehr
störungsanfällig ist. Auch dieses Postamt steht mitten im Dorfzentrum. Miribel hat ca.
7000 Einwohner. Auch in der Aufenthaltshalle stehen wieder zwei elektronische
Telefonbücher. In Frankreich gibt es bereits ca. 2,8 Millionen (!) dieser BTX-Geräte,
welche von der Post sehr günstig im Abonnement abgegeben werden. In ein paar Jahren
möchte man sogar ganz auf die jährliche Herausgabe der ca. 100 Telefonbücher
verzichten. Wie alle anderen Pilot-Postämter gibt es auch hier ein Faxgerät und die
MOB-Geräte. Ungewöhnlich ist in Miribel, dass die Schalter offen ohne Glasscheiben oder
anderen Sicherheitsvorkehrungen gebaut worden sind. Man fühlt sich eher in einer
Beratungsstelle oder in einem Reisebüro. Nur die Geldgeschäfte gehen aus verständlichen
Gründen weiterhin hinter dicken Glaswänden vor sich. Ebenfalls gibt es Stühle und
Sitzgelegenheiten in genügender Anzahl, was man z.B. in der Bundesrepublik oder in der
Schweiz nicht gerade behaupten kann.
3. St. Herblain Principal (eröffnet am 25.3.1985) St. Herblain liegt im Departement
Loire-Atlantique an der Atlantikküste im Westen Frankreichs. Einwohnerzahl 25'000.
Als Spezialität dieser Poststelle ist das Minitel-System hier als Versuch mit dem
BTX-Programm der nahen Grossstadt Nantes verbunden. Der Postkunde kann hier im Postamt
alle Informationen über Nantes abrufen.
4. Saint-Agrève (eröffnet am 21.5.1985) Das Dorf Saint-Agrève mit nur 2'800
Einwohnern liegt sehr schön erhöht über dem Rhonetal im Bezirk Ardèche. Dieser
Standort wurde als bekannter Ferienort (Wintersport) ausgewählt. Hier werden in einer
grossen Vitrine alle erhältlichen Telefongeräte und technisches Zubehör gezeigt. Hier
sind als Ausnahme noch keine elektronischen Schaltergeräte und Frankiermaschinen
installiert worden, da der Umsatz wahrscheinlich zu klein ist.
5. Cosne-Cours-sur-Loire (eröffnet am 9.9.1985) Dieser Ort mit 15'000 Einwohnern liegt
im ziemlich unbekannten Departement Nierve im Zentrum von Frankreich. An der Hausfassade
befindet sich ein Banknotenautomat.
6. Montigny-le-Bretonneux (eröffnet am 8.10.1985) Der einzige Standort eines
Zukunfts-Postamtes in der Region von Paris ist Montigny-le-Bretonneux. Es steht mitten in
einem neu erbauten Wohn- und Geschäftszentrum südlich von Paris. Hier wurde fast ein
komplettes Dorf neu konstruiert und neben dem alten Dorfkern von Montigny erbaut.
Einwohnerzahl zusammen ca. 21'000. Am Schalter sind ein MOG und ein kleiner MOB in
Betrieb.
7. Bagnères-de-Luchon (eröffnet am 10.10.1985) Bagnères-de-Luchon (3500 Einwohner)
ist ein Wintersportort mit einem grossen Thermalbad mitten in den Pyrenäen ganz im Süden
der Republik gelegen. Das neue Postamt wurde im modernen Dorfzentrum errichtet. Hier
stehen dem Publikum fünf elektronische Telefonbücher sowie zwei Telefonkabinen mit
Kreditkartenbetrieb zur Verfügung. An den Postschaltern versehen zwei
MOB-Frankiermaschinen ihren Dienst. Auch ein Telekopierer ist hier in Betrieb.
8. Laos (eröffnet am 6.1.1986) Dieses "Zukunfts-Postamt" liegt im Departement
Nord an der Grenze zu Belgien. Laos hat 22'000 Einwohner und einige Industriebetriebe
(Chemie, Druckereien) sind hier ansässig. Drei BTX-Geräte sind in Laos mit dem
Bankensystem bzw. mit dem BTX-Programm der französischen Postverwaltung verbunden. Ein
Banknotenautomat ist ebenfalls zugänglich. Wie in Bagnères-de-Luchon sind auch in Laos
zwei MOBS im Einsatz.
9. Concarneau (eröffnet am 17.2.86) In Concarneau steht bekannterweise seit dem
21.2.1986 der zweite ATM-Drucker in einem Pilot-Postamt. Dieses Postamt wurde für das
Publikum bereits am 17.2.1986 geöffnet, während die offizielle Eröffnungsfeier mit
mehreren Persönlichkeiten aus dem Postministerium erst am 24.2.1986 stattfand. An diesem
Tag wurde auch ein schöner Sonderstempel eingesetzt. Auch hier sind zusätzlich ein
Banknotenautomat, zwei Minitels und eine Telefonkabine mit Kreditkartenannahme in
Funktion. Vier MOBS sind hier installiert. Alle diese Geräte stehen in einer sogenannten
"24/24-Halle". Es ist hier in Concarneau erstmals möglich, diese Geräte auch
ausserhalb der Schalterstunden zu bedienen. Leider steht der FRAMA-LSA noch in der
eigentlichen Schalterhalle auf einem einfachen Holztisch (!) herum. Es war eigentlich von
Anfang an geplant, auch das ATM-Gerät in der 24-Stunden-Zone zu installieren und wie
gewöhnlich an der Wand zu befestigen, aber der FRAMA-WZA steht bis heute auf dem
Holztisch.
Ausblick: Bis zur Verwirklichung dieser neun speziellen Erprobungs-Postämter war es um
die Modernisierung der Poststellen in der Provinz schlecht bestellt. Meistens wurden zuerst
die Ämter der Grossstädte wie Paris und Lyon bevorzugt. So
wurden z.B. die meisten grossen und kleinen Postämter von Paris und der näheren Umgebung
in der "Ile-de-France" bereits in den Jahren 1982-84 mit den grossen
Schalterterminals GAPA bzw. MOG ausgerüstet, während man in der Provinz noch mit den
alten mechanischen Frankiermaschinen der Fabrikate SECAP, CAMP und SATAS frankieren
musste. In den letzten Jahren wurden jetzt aber auch die "Kleinen"
berücksichtigt: So stehen acht der neun Postämter der Zukunft in der Provinz, teils in
sehr kleinen Dörfern (siehe Einwohnerzahlen). Einzig Montigny-le-Bretonneux tanzt als
Vorort von Paris aus der Reihe.
Seit der Inbetriebnahme der neun Pilotämter sammelt man nun Informationen und
Erfahrungen und plant so die Modernisierung von nicht weniger als 3000 Postämtern in der
Provinz, die man in den Jahren bis zur Jahrtausendwende vollziehen will. Die Ergebnisse
dieser Untersuchungen sollen hauptsächlich zeigen, ob und in welcher Konzentration
technische Hilfsmittel sinnvoll in den Schalterhallen und im Schalterdienst der
Provinz-Postämter eingesetzt werden sollen. Weiter ist es geplant, alle 14'000
französischen Postämter via Bildschirmkommunikation miteinander zu verbinden, so dass
Mitteilungen, Kontostände und anderes am Schalter abgefragt werden können.
Ob auch die ATM-Drucker eines Tages zur normalen Ausrüstung der 3000 modernisierten
Ämter gehören werden, ist zumindest zur Zeit sehr fraglich. Der immer noch laufende
ATM-Versuch mit den 13 Geräten läuft eher zäh weiter. Jährlich zur Sommerzeit werden
fast schon gewohnheitsmässig die Posttaxen um ein paar Centimes erhöht und somit auch
die Wertstufen der ATM-Geräte geändert. Ein Abschluss bzw. ein Ausbau des
Automaten-"Netzes" steht im Moment nicht zur Diskussion. Ein Bedarf dafür
besteht auf alle Fälle; In den Grosszentren wie Marseille, Toulouse und Strasbourg stehen
bei den Postämtern veraltete Markenheftchengeber oder äusserst störanfällige
Rollenmarken-Automaten herum, mit denen z.B. Touristen ihre Auslandsfrankaturen nur
mühsam zusammenbekommen. Vielleicht wird die Zukunft den Weg zeigen. Man wird sehen...
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