Der Weltpostverein und die Postautomation

Die Vorgeschichte: Da der Weltpostverein aus mir unverständlichen Gründen ausgerechnet Kenia mit einem Weltpostkongress beglücken wollte, Kenia aber andere Probleme hat und den Kongress logischerweise nicht durchführen konnte, musste die Schweiz und die Schweizerische Post einspringen und den Weltpostkongress 2008 veranstalten. Also findet das Vereinstreffen 2008 während 3 Wochen !!! in Genf statt.

Als Fachjournalist für Postautomation (Journalist AIJP) wollte ich eigentlich vom Weltpostkongress in Genf berichten und habe mich vor einigen Wochen angemeldet. Ich habe mir gedacht, dass die Postautomation vielleicht auch beim Weltpostverein ein Thema sein könnte. Im Juni 2008 kam dann eine Absage, dass ich keine Akkreditierung erhalte, da es über Postautomation am Weltpostkongress in Genf nichts zu berichten gebe !

Gut, spare ich also die Reisespesen nach Genf und beobachte, wie anscheinend hinter verschlossenen Türen im stillen Kämmerlein über wichtige und unwichtige Dinge der weltweiten Post beraten wird. Interessant ist doch, dass bis am Eröffnungstag am 23. Juli 2008 in keiner deutschsprachigen Tageszeitung über diesen Kongress berichtet wird, obwohl (je nach Quelle) 1500 bis 2200 Delegierte aus 191 Ländern nach Genf reisen. In der englischsprachigen Presse ist der Kongress bisher nur in Angola, Aserbeidschan und Kenia ein Randthema, ansonsten Sendepause. Das ist doch ein medienpolitischer Super-GAU, den sich nur eine schwerfällige UNO-Beamtenschaft leisten kann.

An früheren Kongressen, zB. 1984 in Hamburg und 1989 in Washington, war ganz ein anderes, offenes Klima, auch für die Journalisten. Vielleicht liegt es auch am zuständigen Medienverantwortlichen aus Kanada, ausgerechnet Kanada. Kanada ist gemäss einer UNO-Studie der 16 führenden Länder nach Pro-Kopf-Einkommen das einzige Land, welches noch nie Automatenmarken herausgegeben hat. Auch sonst hat die kanadische Post bei der Postautomation nicht gerade viel zu bieten. Da kann es natürlich sein, dass die Postautomation plötzlich nicht mehr zu zentral ist ...

So habe ich dem verantwortlichen Medienverantwortlichen Rhéal LeBlanc (er kam tatsächlich von der kanadischen Post zum Weltpostverein nach Bern) am 5. Juli 2008 folgende Gedanken geschrieben. Falls Sie dem Weltpostverein auch noch schreiben und zB. erfahren möchten, was die 1500 Delegierten jetzt 3 Wochen in Genf so treiben (und es sich auf Kosten der Postkunden und Steuerzahler vermutlich gut gehen lassen *****), hier die Kontaktdaten von Herrn Rhéal LeBlanc:

Rhéal LeBlanc, UPU - Universal Postal Union - Weltpostverein, 3000 Bern 15, Schweiz, Switzerland
Telefon Telephone +41 31 350 32 51, Mobile Mobiltelefon Handy +41 79 272 04 28,
mail rheal.leblanc@upu.int
 
(Anmerkung: die gesamte Korrespondenz (Luzern - Bern - Luzern - Bern - Luzern) vor diesem Mail erfolgte in englischer Sprache)

Sehr geehrter Herr LeBlanc,

Ihre Ablehnung, als Journalist über den UPU-Kongress in Genf berichten zu dürfen, habe ich erhalten. Diese Vorgehensweise passt zum mir bestens bekannten Bild eines verstaubten und altmodischen Weltpostvereins, halt ein Verein, der nichts auf die Reihe bringt.

Wenn ich daran denke, was der Weltpostverein auf dem Gebiet der Postautomation nicht realisiert hat bzw. sogar noch Gegensteuer gegeben hat, einen Herrn XXXXXXXX als zuständigen Chef für die Postautomation im Weltpostverein auf den Stuhl gesetzt hat (einen freien Posten musste man ja für ihn finden, als er bei der Schweizerischen Post gehen durfte) und was daraus geworden ist, wird mir schlecht. Herr XXXXXXXX ist mittlerweile nicht mehr zuständig. Geändert hat sich nichts.

Der Weltpostverein ist irgendwo in den 1950er-Jahren stehen geblieben und es wird Zeit, dass private und privatisierte Postfirmen den ganzen Laden oder Verein (der Name passt schon) etwas aufmischen. Ich werde mir als langjähriger Journalist erlauben, das Vereinstreffen in Genf aus der Ferne zu beobachten und darüber zu berichten. Auch den Weltpostverein werde ich gerne im Auge behalten und (vermutlich) weiterhin negativ darüber berichten.

Falls Sie die Artikel mitverfolgen möchten, können Sie dies gerne auf www.atms.ch tun
--> Werfen Sie auch einen Blick in die ATM-News und auf ATM AKTUELL. es lohnt sich. Sie werden sehen, dass ich als Fachjournalist auf dem Gebiet der Postautomation seit vielen Jahren einiges Wissen über das Tun und besonders Nichttun des Weltpostvereins zusammengetragen habe; vermutlich mehr, als viele der bei den staatlichen Postbehörden gestrandeten und beim Weltpostverein gelandeten Sesselkleber über die Postentwicklung wissen.

Nochmals besten Dank für die gute Zusammenarbeit !

Mit freundlichen Grüssen
Markus Seitz
Journalist AIJP

PS. habe mir gedacht, dass ich einen Brief von Luzern nach Bern in deutscher Sprache schreibe. Sie leben ja in der schönen Deutschschweiz. Falls Sie dem Inhalt nicht folgen können, gibt es ja bei Ihrem Verein genügend Übersetzer


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