Der Weltpostverein und die Philatelie
Die Philatelie spielt im Weltpostverein in den vergangenen Jahren nur ein Schattendasein. Vieles wurde
versucht, nur wenig erreicht. Leider hatten in den vergangenen Jahren Personen
mit ganz speziellen Eigeninteressen das Sagen, so der ehemalige Direktor der
Postphilatelie bei der Belgischen Post, Frank Daniëls. Frank Daniëls trat beim
Weltpostverein innerhalb der WADP (World Association for the Development of
Philately, Weltvereinigung für die Entwicklung der Philatelie) staatsmännisch für eine saubere und übersichtliche Philatelie
auf, verausgabte aber gleichzeitig im eigenen Land Belgien 80 !!!
Briefmarken zum Thema Jahrtausendwende. So kann das natürlich nicht gut
herauskommen beim weltweiten Postverein.
Die WADP hat sich bis heute nur auf die grundsätzliche Fälschungsbekämpfung
beschränkt, aber keinerlei Vorgaben an die Postfirmen weitergegeben, dass die
Postfirmen im Sinne einer sauberen und nachhaltigen Philatelie nur noch
eine bestimmte Anzahl neue Briefmarken pro Jahr verausgaben. Wenn Belgien im
Jahr 2007 unglaubliche 139 Briefmarken (sogar 859 seit dem Jahr 2000 !) und
Frankreich nicht weniger als 158 Neuheiten (unglaubliche 916 seit dem Jahr 2000
!) verausgabt, hat dies mit seriöser und nachhaltiger Philatelie nichts mehr zu
tun.
Vielmehr werden die Philatelieabteilungen der Postfirmen "von oben" immer mehr
unter Druck gesetzt, den letztjährigen Umsatz nicht nur zu erreichen (das wäre
ja schlimm), sondern möglichst zweistellig zu verbessern, umso mehr umso besser.
Da aber unter diesen Umständen immer mehr Sammler den unnötigen Neuheiten der
Philatelieabteilungen den Rücken kehren, müssen im nächsten Jahr noch mehr
Bildchen verausgabt werden, um den Umsatz zu erreichen. Eine Spirale ohne Ende
oder der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Hier sollte der Weltpostverein
dringend einschreiten, um dieses Feld der Philatelie für folgende Generationen
zu erhalten.
Aus meiner Sicht ist aber dieser Kampf verloren. Zuviel Schaden wurde in den
vergangenen Jahren von belgischen und anderen Heilsbringern beim Weltpostverein
angerichtet. Diese verlorenen Sammler kehren nicht mehr zurück, sondern
schliessen aus meiner Erfahrung ihre Sammlung ab und füllen die Lücken bei den
älteren Jahrgängen. Rückwärtssammlern ist angesagt. Die verausgabten Neuheiten
sind immer mehr nur noch Bildchen, um die privatisierten Philatelieabteilungen
zu finanzieren. Schnelles Geld ist gefragt und nächstes Jahr muss es noch mehr
sein, sonst wackelt der Stuhl des Philatelieverantwortlichen in der schönen,
privatisierten Postwelt.
Es gäbe, auch und gerade beim aktuell stattfindenden Kongress in Genf, innerhalb
des Weltpostvereins viel zu besprechen, um die Philatelie zu erhalten oder sogar
zu retten. Aus meiner langjährigen Erfahrung mit dem Weltpostverein glaube ich
aber nicht, dass der Verein dies auf die Reihe kriegt. Auf meine Anfrage, ob und
in welcher Form die Philatelie am Kongress in Genf eine Rolle spielt, kam bisher
keine Antwort. Vermutlich war der Weltpostverein mit meiner einfachen Anfrage
überfordert oder wollte nicht zugeben, dass "Philatelie" nicht auf der
Tagesordnung steht.
Auch die Fachpresse wird von den Postfirmen immer weniger mit guten Abbildungen
und Hintergrundinformationen versorgt. Früher gab es die Originalmarken, dazu
brillante Farbfotos. Heute "darf" man als Journalist die gewünschten Abbildungen
selber herunterladen. Wie soll man aber bei einer Kopie das Druckverfahren
feststellen können, Leuchtstoffunterschiede und andere wichtige Details ? Bei
den Medien ausserhalb der Philatelie kommen solche Meldungen der Postfirmen
wirklich nur noch als Werbung für unwichtige Bildchen an; es geht nicht mehr um
das Kulturgut Briefmarke.
Früher gab es diese Dienstleistungen Wochen vor dem Ausgabetag, heute kann man
teilweise froh sein, wenn die Informationen für die Fachjournalisten am Ersttag
vorliegen. Die Fachzeitschriften und Kataloge machen aber doch nichts anderes
als Gratiswerbung für die Neuheiten der verschiedenen Postfirmen. Speziell aus
diesem Grund sollte auch ein entsprechender Service geboten werden, denn in den
Zeitschriften, aber auch in den Katalogen, sind ja ihre Bildchen gratis
abgebildet.
Dazu passt ein persönliches Erlebnis von 1997: Auf meine Fragen zu verschiedenen
Automatenmarken-Ausgaben Belgiens folgte schon zwei Wochen später der
Antwortbrief der Direktion für Briefmarken & Philatelie Belgien mit brauchbaren
Informationen für meine Arbeit am ATM-Spezialkatalog Ganze Welt. Am Schluss des
Briefes dann der entscheidende Satz: Da wir für die Beantwortung Ihrer
detaillierten Fragen mit mehreren Dienststellen Kontakt aufnehmen müssen, sehe
ich mich genötigt, Ihnen in Zukunft die Kosten dieser Nachforschungen anrechnen
zu müssen. Diese belaufen sich auf 950 BEF pro Stunde (also stolze 40 CHF).
Unterschrieben war der Brief mit Philateliedirektor, Frank Daniëls.
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